Havarie Schubboot Lidenra
Am 18.08.1998 um 05.35 Uhr wurde die Feuerwehr St.Goarshausen mit der Alarmdurchsage „Sinkendes Schubschiff bei Rhein-Kilometer 560, Höhe Ehrenthaler Werth“ alarmiert. Um 05.48 Uhr rückte RPL 9 aus dem Loreleyhafen aus.
Um 06.05 Uhr wurde die erste Lagemeldung mit folgendem Text abgesetzt:
„Florian Loreley 1/78 hat E-Stelle erreicht und macht am Havaristen fest. Es handelt sich um den Schubverband „Lidenra“, mit 2 unbeladenen Leichtern, das Schubboot hängt mit dem Heck tief im Wasser, der Verband liegt am Ufer des Ehrenthaler Werthes fest, WSP ist vor Ort, gehen zur weiteren Erkundung auf den Havaristen“.
An Bord des Havaristen bot sich folgendes Bild: Der Maschinenraum mit den drei Antriebsmaschinen und den Zusatzaggregaten war stand ca. 1m unter Wasser. Auf dem Wasser schwamm eine mehrere Zentimeter dicke Ölschicht. In die unter Deck gelegenen Sanitärräume des Schubbootes drang Wasser ein.
(Anmerkung: Die Ölschicht ist bei Schiffen normal, dies ist das Öl aus der sogenannten Bilge, der Raum unter den Maschinen. Dort wird das Öl von Ölwechseln und von Undichtigkeiten an der Maschinenanlage gesammelt. Diese Bilge muss regelmäßig von autorisierten Stellen geleert werden. Über die Leerung ist Buch zu führen)
Einsatzablauf
Nachforderung der Freiwilligen Feuerwehr St. Goar mit MZB und des Löschzuges St. Goarshausen Nord mit Ölumfüllpumpe. Nach Eintreffen der Feuerwehr St. Goar mit dem MZB wurde diese zum Transport der Geräte und des Personals des Löschzuges Nord sowie für Versorgungsfahrten eingesetzt. Der Schubverband wurde am Ufer gegen abtreiben gesichert. Das Öl wurde in einen der beiden Schubleichter umgepumpt, von wo es dann von einem Bilgen-Entölerboot übernommen wurde. Im Maschinenraum des Havaristen wurden mittlerweile 8 Tauchpumpen in Stellung gebracht und in Betrieb genommen. Mittels der Tauchpumpen konnte der Wasserstand im laufe des Tages im Maschinenraum bis auf ca. 30 cm abgesenkt werden. Ein weiteres absenken des Wasserstandes war, bedingt durch die Größe der Leckage, einem Riss von ca. 80x20cm, nicht möglich.
Die Versicherungsgesellschaft des Havaristen forderte einen Bergungstaucher an der versuchen sollte die Leckage von außen zu lokalisieren und evtl. abzudichten. Dies gelang jedoch nicht, da das Heck des Havaristen auf Grund lag. Daraufhin wurde von den Einsatzkräften die Leckage von innen mittels Holzkeilen, Lappen und Schaumstoffplatten, das ganze mit Baustützen verspannt, abgedichtet. Durch die Größe des Leckes gelang dies nicht ganz, zumal in diesem Bereich auch noch diverse Treibstoff und Hydraulikleitungen verlegt waren. Mittels der eingesetzten Pumpen konnte der Wasserstand im Schiff über Nacht auf gleichbleibendem Niveau gehalten werden. Am Vormittag des 19.08.1998 wurden die Pumpaktivitäten verstärkt um den Schubverband freizubekommen. Mit Hilfe der zwischenzeitlich eingetroffenen Vorspannboote (Schlepper) wurde der Schubverband inklusive RPL 9 unterhalb des Ehrentaler-Werthes in tieferes Wasser geschleppt und gedreht. Dieses Manöver wurde von vielen Schaulustigen auf beiden Ufern beobachtet. Der Taucher konnte jetzt unter das Schiff und das Leck mit einer Stahlplatte, die von den Einsatzkräften auf RPL 9 gebogen und geschweißt worden war, abdichten. Nachdem das restliche Wasser aus dem Havaristen gepumpt war konnte der Einsatz am 19.08.1998 gegen 19.30 Uhr beendet werden. Die anschließenden Reinigungsarbeiten der Geräte und Pumpen nahmen nochmals 6 Stunden in Anspruch.
Durch die lange Einsatzzeit von 38 Stunden wurde ein Schichtdienst aufgebaut und der Einsatz in drei Schichten mit je 8 FM (SB) abgewickelt.
Am 18.08.1998 um 15.00 Uhr wurde die Wehr St. Goarshausen zu einem Paralleleinsatz, einem Flächenbrand, alarmiert. Dieser war nach zwei Stunden abgeschlossen.
An der Einsatzstelle waren neben der Freiwilligen Feuerwehr St. Goarshausen die Freiwillige Feuerwehr St. Goar, die Wasserschutzpolizei, das Wasser- und Schifffahrtsamt, ein Vorspanndienst mit 3 Vorspannbooten, ein Bergungstaucher, ein Bilgen-Entölerboot, ein Vertreter der Reederei, ein Vertreter der Schiffsversicherung sowie mehrere Pressevertreter anwesend.
Zeitliche Abfolge
18.08.1998
- 05.35 Uhr Alarmierung
- 05.48 Uhr Ausrücken
- 06.05 Uhr Einsatzstelle an
- 06.10 Uhr Nachforderungen
- 06.33 Uhr Eintreffen der Nachgeforderten Kräfte und Mittel
- 07.15 Uhr Beginn Umpumpen des Öles
- 12.20 Uhr Eintreffen des Bergungstauchers
- 13.30 Uhr Beginn der Tauchversuche
- 14.00 Uhr Abbruch der Tauchgänge
- 14.30 Uhr Abdichtmaßnahmen im Schiff
- 15.00 Uhr Alarm Flächenbrand
- 17.00 Uhr Ablösung der Einsatzkräfte, Beginn der 2. Schicht, Einsatzende Flächenbrand
19.08.1998
- 06.00 Uhr Ablösung der Einsatzkräfte, Beginn der 3. Schicht
- 07.30 Uhr Vorbereitungen zum verstärkten Lenzen und zum Freischleppen
- 10.15 Uhr Beginn Freischleppen und drehen des Verbandes
- 12.00 Uhr Festmachen des Verbandes am Ufer des Ehrenthaler-Werthes
- 12.15 Uhr Erster Tauchgang des Bergungstauchers
- 16.30 Uhr nach mehreren Tauchgängen schließen des Leckes mit der angefertigten Stahlplatte
- 17.00 Uhr Maschinenraum leergepumpt
- 17.15 Uhr zum Abmarsch fertig, Rücknahme der Geräte
- 19.30 Uhr Florian Loreley 1/78 im Loreleyhafen festgemacht, Einsatz beendet.
20.08.1998
- 10.00 Uhr – 16.00 Uhr Gerätereinigung
Eingesetzte Geräte und Material:
- 12 Tauchpumpen
- diverses Schlauchmaterial Größe A und B
- 1 Kettensäge
- 1 Brennschneidgerät
- 1 Elektroschweißgerät
- 4 Baustützen
- Werkzeug
- Rüstholz
- Holzkeile
- Schaumstoffplatten
- Handfunkgeräte
- Handy
- Ölumfüllpumpe mit Zubehör
- 4 Scheinwerfer
- 2 Stative
- 1 Lichtmast
Bedingt durch die lange Einsatzdauer mussten diverse organisatorische Dinge wie z.B. Schichtdienst der Einsatzkräfte, Verpflegung der Einsatzkräfte, Absprachen mit Arbeitgebern usw. erledigt werden.
Alles in allem kann gesagt werden das die Zusammenarbeit mit allen Anwesenden sehr gut funktionierte.

